LKZ: Größter Wunsch: Maultaschen zum Finale in Montenegro

Veröffentlicht am von Bernhard Rode.

Bericht Ludwigsburger Kreiszeitung vom 31. Juli 2010:

„Die Sauna war klasse. Und die Maultaschen“, schwärmen die Jungs unisono. Auch wenn das einwöchige Trainingslager „grausam“ war, hat es den Handballspielern der U-18-Nationalmannschaft richtig gut gefallen in Gronau und Beilstein.

„Das Essen war klasse“, antworten vier bis fünf Jungs spontan auf die Frage, was ihnen am besten gefallen habe, weitere fünf sind immer noch von den gerösteten Maultaschen angetan. Richtig klasse sei aber das Frühstück im Gästehaus Krone in Gronau gewesen. „Da gab es sogar Lachs und Schrimps“, sagt Roman Tauabo aus Berlin. Einzig die Zimmer unter dem Dachstuhl seien etwas niedrig gewesen. „Ich musste fast auf den Knien laufen“, sagt Philipp Weber aus Magdeburg. Dafür war der Besuch auf dem Beilsteiner Weinbergfest spaßig, auch wenn die Jungs standfest behaupten, kein einziges Viertele getrunken zu haben. Auch sonst hätten sie sich nicht aus dem Gästehaus hinausgetraut, wie Weber weiter scherzt, schließlich mussten sie ja trainieren.
Das Trainingslager ist die Vorbereitung auf die Europameisterschaft vom 12. bis 22. August in Montenegro und „wir sind so weit ganz gut vorbereitet“, erzählt der Trainer und frühere Handballweltmeister Christian Schwarzer. Wenn sich nicht mit dem Bietigheimer Patrick Zieger ein wichtiger Spieler just jetzt noch verletzt hätte. „Ins Halbfinale wollen wir aber auf jeden Fall“, sagt Schwarzer, die Jungs indes sind überzeugt von einer Medaille.
Gestern morgen stand das letzte Training in der Beilsteiner Sporthalle an. Christian Schwarzer kennt keine Gnade mit seinen „Männern: „Für jedes verschossene Tor gibt es fünf Liegestützen zur Strafe für die ganze Mannschaft. Am Ende werden es 25 Liegestützen und 25 Situps – auch Torwart Felix Storbeck macht aus Solidarität mit. „Nach einer Woche Trainingslager sind alle ein bisschen müde. Der Kopf ist müde und auch die Beine wollen nicht mehr so“, erklärt Schwarzer.

Denn ein Spaß war das Training sicherlich nicht: Zwei Einheiten à zwei Stunden standen täglich auf dem Programm, zudem drei Länderspiele und das Spiel gegen die Herrenmannschaft des TSV Beilstein. Das Spiel haben die Nationalspieler mit 35:30 knapp gewonnen, die Beilsteiner haben dafür die Herzen der Jungs erobert. Denn, so lobt auch Schwarzer, „wir haben uns hier hervorragend aufgehoben gefühlt“.
Die SG Bottwartal, in der sich die Beilsteiner und Gronauer Handballer zusammengetan haben, hat das Ganze organisiert. Die Handballer sorgten nicht nur für die Unterkunft in Gronau, sondern übernahmen die Fahrdienste, kochten mittags für die Jungs, investierten Zeit und Herzblut. TGV-Abteilungsleiter Andreas Gramsch hat sogar extra zehn Tage Urlaub genommen.
Warum macht man das? „Ganz sicherlich nicht wegen des Geldes, wir sind froh, wenn wir null auf null rauskommen.“ Aber man habe erstens als Verein nicht nur den Auftrag sportlich etwas zu tun, sondern auch sozial und kulturell zu wirken. Zweitens sei es Imagewerbung für den Verein und drittens „sind wir ein bisschen verrückt und leben den Traum der großen Handballfamilie“, sagt Gramsch. Eben aus diesen Gründen bewerben sich auch viele Vereine immer wieder darum, ein Trainingslager auszurichten. Die SG Bottwartal kam über Kontakte zu ihren Gästen. Co-Trainer Heiko Karrer hat private Verbindungen ins Bottwartal und war bereits mit seiner Mannschaft aus Rimpar bei einem Trainingslager in Beilstein.
Bereut haben die Jungs es nicht. Ganz im Gegenteil. Sie freuen sich schon, wenn ein Versprechen der Beilsteiner wahr werden sollte: Sollten die Jungs ins Finale kommen, reisen die Beilsteiner nach Montenegro. Mit Maultaschen im Gepäck. Und, wie Max Lipp fordert, die ganz speziellen Puddings und Leberkäswecken! Leberkäs ist übrigens auch das Wort, das alle, egal ob aus Magdeburg, Düsseldorf, Lemgo oder Flensburg, fehlerfrei Schwäbisch aussprechen können!

von Patricia Rapp