Spiegel.de: Neue Handballregeln – Grobiane müssen aufpassen

Veröffentlicht am von Bernhard Rode.

Quelle Spiegel.de: Grobiane müssen aufpassen

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  • Härtere Strafen
    Das Stoßen eines Gegenspielers im Lauf oder im Sprung wird härter geahndet. Wie groß die Verletzungsgefahr dabei ist, sah man bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Dort brach sich Pascal Hens im Spiel gegen Island den Schienbeinkopf, nachdem ihn gleich zwei Isländer zu Fall brachten. Um solche Fouls härter ahnden zu können, änderte die IHF Regel 8. Sie besagte bislang, zu Beginn eines Spiels Fouls zunächst progressiv zu bestrafen und Zeitstrafen erst nach drei Gelben Karten pro Team auszusprechen.

    Das ist jetzt anders. Die Schiedsrichter dürfen je nach Art des Vergehens sofort Zeitstrafen aussprechen – insbesondere wenn Gegenspieler in der Luft gestoßen werden.

  • Torhüter müssen bei Gegenstößen vorsichtiger sein
    Im November 2001 prallte der Kieler Johan Petersson bei einem Gegenstoß mit dem Gummersbacher Torwart Jan Stankiewicz zusammen. Petersson fiel bewusstlos und ungebremst auf den Hallenboden. Der Außenspieler verlor bei dieser Aktion drei Zähne. Zudem verschluckte er seine Zunge, was ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Forderungen, Torhütern das Verlassen des Sechs-Meter-Raumes zu untersagen, wurde danach nicht entsprochen.

    Mit den neuen Regeln sind zumindest die Verantwortlichkeiten klar. Der Torhüter darf nach wie vor seinen Torraum verlassen, trägt aber das alleinige Risiko. Damit wird es in solchen Situationen keine Stürmerfouls mehr geben. Einzige Ausnahme: Der Angreifer war offensichtlich auf den Zusammenstoß mit dem Torwart aus.

  • Begrenzter Arbeitsbereich für die Trainer
    Bis in die neunziger Jahre hinein mussten die Trainer ihre Arbeit im Sitzen verrichten. Als die Regeln geändert wurden und sie stehen durften, nutzten die Trainer den gewonnenen Freiraum allzu sehr aus – zum Ärgernis der Offiziellen. „Die Zeitnehmer“, sagt Prause, „waren Freiwild.“

    Die Konsequenz: Wie beim Fußball schuf die IHF für die Trainer eine Coaching-Zone. 3,50 Meter müssen sich Meistertrainer Alfred Gislason und seine Kollegen auf ihrer Seite von der Mittellinie fernhalten. Eine Ausnahme gibt es: Um eine Auszeit anzumelden, darf der Coach zu den Zeitnehmern gehen – dort aber nicht lange taktisch auf den günstigsten Zeitpunkt warten.

    Falls sich die Trainer nicht an diese Vorgaben halten, sollen die Offiziellen zunächst präventiv handeln. Bei wiederholten Verstößen wird gepfiffen, die Gelbe Karte gezeigt und dem Gegner der Ballbesitz zugesprochen.

  • Der Kapitän kehrt zurück
    Das Amt des Mannschaftskapitäns wurde nach den Olympischen Spielen 2004 abgeschafft, weil in Athen Aufwärmhalle und Spielfeld rund 400 Meter voneinander entfernt lagen. Die Spielführer mussten eine Viertelstunde vor Anwurf den Spielberichtsbogen unterschreiben. Dafür mussten sie ihr Aufwärmprogramm unterbrechen, zum Spielfeld gehen, unterschreiben und zurück zum Aufwärmen laufen.

    Weil diese Lösung auf viel Kritik stieß, übertrugen die IHF-Offiziellen nach den Olympischen Spielen den Mannschaftsbetreuern die Aufgabe, den Spielberichtsbogen zu unterschreiben. Zudem waren die Betreuer Ansprechpartner für die Schiedsrichter. Die Renaissance des Kapitänsamtes ist damit eine reine Formalie. „Der war ja nie so richtig weg“, sagt Prause, „nur offiziell nicht mehr existent, weil er keine Funktion mehr hatte.“ Jetzt ist er wieder da – ganz offiziell.

  • Ausschluss abgeschafft, Disqualifikation bleibt
    Bisher bedeutete der Ausschluss eines Spielers, dass das gesamte Team für den Rest der Partie in Unterzahl spielen musste. Regelmäßig war das bestrafte Team chancenlos, weil Unterzahl im Handball sich viel deutlicher bemerkbar macht als beispielsweise im Fußball.

    In den vergangenen Jahren kam der Ausschluss nur selten vor, jetzt ist er abgeschafft. Nun gibt es allein noch die Disqualifikation. Sie bedeutet für den bestraften Spieler zwar das Ende des Matches. Aber sein Team muss lediglich zwei Minuten in Unterzahl spielen. Folgt der Disqualifikation eine schriftliche Meldung der Schiedsrichter, droht dem bestraften Spieler zusätzlich eine Sperre.