Herren 1: 6 Tore Vorsprung reichen nicht aus – SG Bottwartal verschenkt sicher geglaubten Heimsieg

Veröffentlicht am von Bernhard Rode.

Trotz eines 6 Tore Vorsprungs trennten sich die Bottwartaler vom TSV Bartenbach 37:37 (21:17) und verpassten, sich dadurch von den hinteren Plätzen deutlich abzusetzen.

Noch lange nach dem Abpfiff der Württembergliga-Begegnung zwischen der SG Bottwartal und dem TSV Bartenbach hielten sich die Zuschauer und Spieler in der gut gefüllten Langhanshalle auf, um über den Spielverlauf einer denkwürdigen und spannenden Partie zu diskutieren. Gesprächsstoff gab es reichlich.

1 Sekunde fehlte den Bottwartälern um in dieser Saison wieder ein positives Punktekonto zu erhalten. Mit einem für die Gäste verwandelten Siebenmeter zum 37:37-Endstand sorgte Jens Czechitzky bei gestoppten 59 Minuten und 59 Sekunden für den Schlusspunkt einer an Spannung kaum zu überbietenden Party. Geprägt von sportlichen und emotionalen Höhe- und Tiefpunkten konnte sich bei den Gastgebern allerdings niemand so richtig über das Unentschieden freuen. Zu leichtfertig wurde die Chance zum Sieg vergeben.

Führte die SG in der 36. Spielminute noch mit 26:20-Toren, so musste man sich am Ende gar glücklich schätzen, überhaupt einen Punkt errungen zu haben. In nur 13 Minuten verspielte die Mannschaft von Trainer Ralf Selcho den scheinbar sicheren Vorsprung. Geprägt war diese zeit von zahlreichen Zeitstrafen. Höhepunkt der Zwei-Minuten-Orgie waren die letzten beiden Spielminuten, die die SG nur mit vier Mann bewältigte. „Ich sehe das Ergebnis mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die ganze Aufregung wäre aber nicht nötig gewesen, wenn wir vorher den Sack zugemacht hätten“, haderte Selcho.

Dabei sah es lange nach einem erfolgversprechenden Abend für die Gastgeber aus. In einer sehr torreichen ersten Halbzeit mit zwei sich auf Augenhöhe befindlichen Mannschaften fand die SG nach der ersten Führung in der 21. Minute zum 15:14 in die Partie und erspielte sich in einer starken Schlussphase durch erfolgreich abgeschlossene Tempogegenstöße einen 21:17-Halbzeitstand. Auch eine Rote Karte gegen Thorsten Brock in der 22. Minuten wegen groben Foulspiels änderte daran nichts. Die konzentrierte und konsequente Spielweise war beeindruckend, lediglich in der Abwehr fehlte die notwendige Abgeklärtheit. „In der Pause bin ich fest von einem Sieg ausgegangen. Und dann trafen wir nach Wideranpfiff ja gleich noch zweimal“, erinnerte sich Selcho. Er sollte sich täuschen.

Das Blatt wendete sich in der zweiten Halbzeit. Mangelnde Chancenauswertung und eine nicht mehr 100%ige Konsequent in den Handlungen bauten die Bartenbacher Handballer von Minute zu Minute auf. „Es hat die letzte Konsequenz im Torabschluss gefehlt. Mit Fehlwürfen und technischen Fehlern haben wir unseren Gegner unnötig aufgebaut“, ärgerte sich der SG Übungsleiter Selcho. Die Handballer der TSV Bartenbach ging nach einer beeindruckenden Aufholjagd in der 49. Minute beim 30:31 wieder in Führung. Wer nun dachte, dass die SG Jungs bezwungen waren täuschte sich, denn sie hielten eisern dagegen. In den letzten acht Spielminuten konnte sich keines der beiden Teams absetzten und so wechselte die Führung mehrmals hin und her. Die Gäste lagen in diesem Zeitraum vier Mal vorne, die SG drei Mal.

„Immerhin haben wir in den Schlussminuten in doppelter Unterzahl noch einen Treffer erzielt. Sonst hätten wir diese Partie verloren“, war sich Selcho sicher. Auch Krunoslav Jelinic war betrübt über den verschenkten Punkt: „Wir hatten am Ende keine Geduld mehr vor dem Tor, haben zu früh und zu ungenau abgeschlossen. Solch ein Spiel muss man einfach gewinnen.“ Mit der Angriffsleitung kann die SG noch zufrieden sein, allerdings sind 37 Gegentore definitiv zu viel. Laut Selcho wurde dort zu viele Fehler gemacht: „37 Gegentore sind einfach zu viel, damit gewinnst du kein Spiel. Wir haben insgesamt keine gute Partie abgeliefert.“ Allein der stark aufspielende Jens Czechitzky warf 15 Treffer für den TSV, davon acht Siebenmeter. Selcho: „Als wir gegen ihn offensiv verteidigt haben, sah unsere Spielweise gut aus. Ansonsten waren wir viel zu statisch.“ Ausgerechnet Czechitzky war es dann, der mit dem Siebenmeter eine Sekunde vor dem Abpfiff der SG einen lange sicher geglaubten Sieg nahm.

SG Bottwartal: Neumann, Goldfuß – Vieler (11/3), Henninger (4), Stettner (2), Deuring, Käfer, Jelinic (5), Gneiding (6), Brock (1), Kandziora (1), Rode (1), Koch (4), Frank (2).

Nun gilt es am kommenden Wochenende in Flein (Anwurf Sonntag 17:00 Uhr; Sandberghalle Flein) die Serie der Punktgewinne nicht abbrechen zu lassen. Flein gastiert momentan hinter der SG, was allerdings nur eine Momentaufnahme ist, denn die Heilbronner Vorstädter haben doch einige Spiele denkbar knapp aus der Hand gegeben. Für die Jungs um Trainer Selcho gilt es die sonntägliche Auswärtsschwäche endlich abzulegen und mit einem doppelten Punktgewinn den Anschluss an das Mittelfeld nicht zu verlieren und einen Kandidaten um die sicheren Mittelfeldplätze auf Distanz zuhalten. „Das wir es können haben wir nun oft bewiesen. Wir haben im Gegensatz zur letzten Saison deutlich an Erfahrung gewonnen“, so Selcho. Unter der Woche gilt es weiterhin die angeschlagene und kranken Spieler fit zu bekommen. Nur wenn alle Mann fit an Bord sind und jeder 150% abruft, kann in Flein die Serie halten.