Salles&Salles: Zwei Jungschiedsrichter auf dem Weg nach Oben.

Veröffentlicht am von Trainer.

Sch – Mit Beginn der neuen Saison wird das Beilsteiner Schiedsrichter- und Brüderpaar Lars und Dominik Salles zum ersten Mal Spiele in der Herren-Landesliga leiten. Der Aufstieg der beiden war Grund genug, sie um ein Interview zu bitten, in dem sie der SG-Gemeinde ihren Werdegang als Schiedsrichter vorstellen und unseren Jugendlichen über die Vorteile und Anreize des Schiri-Jobs berichten.

 

Seit nunmehr zwei Jahren pfeifen die beiden Brüder im Gespann und zur kommenden Saison 2012/2013 schafften sie den Aufstieg in den Schiedsrichterkader für die HVW-Landesliga. Mittelfristig soll der Sprung in den HVW-A-Kader gelingen, auf dieses Ziel haben sich die beiden geeinigt und verfolgen es nun mit vollem Einsatz.

 

Die SG Bottwartal verfügt neben den Salles-Brüdern über einen aktiven und engagierten Schiedsrichter-Kader und gehört seit Jahren zu den wenigen Vereinen im HVW, die die geforderte Anzahl an Spielleitern erfüllen und sogar übertreffen können. Allein zur kommenden Runde stoßen fünf Schiedsrichter-Neulinge hinzu und kompensieren somit die berufs- und sportbedingten Abgänge, ein eindeutiges Indiz dafür, dass die SG Bottwartal mit der itensiven Betreuung und Förderung ihrer Schiedsrichter auf einem guten Weg ist.

 

Hallo Jungs, erzählt mal, wie seid ihr zum pfeifen gekommen?

Lars: Ich war als Spieler nach einigen Umwegen im Bottwartal wieder nach Beilstein gekommen und wurde gefragt ob ich mir vorstellen könnte, Schiedsrichter zu werden. Michael Gramsch kam spontan auf mich zu und erklärte mir wie das Ganze ablaufen wird und auf was ich mich so einstellen muss und fragte mich, ob ich denn Lust darauf hätte. Und ich dachte mir „Warum denn nicht?“.

Dominik: Es gibt genug schlechte Schiedsrichter, über die man sich immer wieder aufregt. Aber was soll man dagegen tun? Ja klar, selbst einer werden um es besser zu machen und sich nicht immer darüber beschweren. Deshalb hab ich mit meiner Schwester Heidi nachgehakt, wo man sich anmelden kann und wie man SR wird.

 

 

Seit wann seid ihr als Schiedsrichter für den Verein tätig?

Lars: Ich habe keine Ahnung. Aber ich hatte noch keinen Führerschein, das weiß ich noch.

Dominik: 2008 dürfte der Lehrgang gewesen sein. Das heißt bei den ersten Einsätzen durfte mich meine Mutter mit dem Auto begleiten.

 

 

Wie läuft die Schiedsrichterausbildung ab? Und was kostet es Euch an Zeit, Aufwand und Geld? Erhaltet ihr auch Unterstützung vom Verein?

Lars: Es gibt einen mehrwöchigen Lehrgang. Einmal die Woche sind es abends 2 Stunden, wenn ich mich noch recht entsinne. Dort werden alle Regeln durchgesprochen, ganz professionell mit PowerPoint-Präsentation, Bildern, Videos und was sonst so dazugehört. Am Schluss gibt es eine schriftliche Prüfung, besteht man die muss man noch ein Spiel alleine leiten und wird dabei beobachtet und bewertet. Ich habe aber noch nie gehört, dass es jemand nicht geschafft haben sollte.

 

Es kostet rein rechnerisch gar nichts. Die Ausbildung übernimmt der Verein, auch die Ausrüstung wird vom Verein gestellt und da dürfen wir sagen, was nötig ist. So haben wir erst in der letzten Saison drei neue Trikots gebraucht und es wurde nicht gezögert uns die zur Verfügung zu stellen.

Die Kosten für Hin- und Rückfahrt werden vom Heimverein beglichen und je nachdem in welcher Klasse man pfeift erhält man noch eine sogenannte „Spielleitungsentschädigung“. Manchmal ist mir das noch zu wenig, wenn ich mir überlege was ich mir von manchen Zuschauern habe anhören müssen, aber das gehört zu diesem Job ebenso dazu. Ein zart besaitetes Wesen ist hier vielleicht etwas fehl am Platz. Zeitlich kann man schon bei Einsätzen im Bezirk damit rechnen, dass man 4 h unterwegs ist für ein Spiel. Aber wie gesagt, im Endeffekt entstehen keine finanziellen Schäden, man ist auch die ganze Zeit versicherungstechnisch abgesichert, was im Ernstfall unheimlich wichtig sein kann.

Dominik: Man kann noch erwähnen, dass es heute zu wenig Menschen gibt, die Schiedsrichter werden wollen und somit werden wir auch jedes Jahr mehr Spiele zu pfeifen haben. Die SG Bottwartal unterstützt jedoch ihre SR’s, wo sie können. Damit ist auch der Einstieg in diesen, sagen wir mal, nicht gerade einfachen Job leichter.

 

 

Was macht Euch dabei besonders Spaß? Was sind denn die Vorteile und Pluspunkte an dem Job?

Lars: Für mich war die Entscheidung es weiterhin zu machen eine eher zweckrationale. Ich wollte nochmal in der Ersten Mannschaft angreifen nach meiner Verletzung, aber studiumsbedingt ist das leider nicht mehr möglich. Dem Handball in Beilstein komplett abschwören kam für mich aber auch nicht in Frage. Und so kann ich Job und Spaß miteinander verbinden. Wenn alles gut läuft pfeife ich mal in einer höheren Liga, als ich jemals im Stande gewesen wäre zu spielen. Und nur, weil ich keinen Ball werfe und spiele, sondern das Spiel leite heißt das nicht, dass ich nicht weiterhin am Handballspiel selber Spaß habe.

Ich sehe die Vorteile vor allem darin, dass ich lerne mit unterschiedlichen Menschen, manchmal in etwas emotionalem Zustand, umzugehen. Man übernimmt Verantwortung und muss innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Entscheidung fällen. Ich denke dies sind Dinge, die mir in meinem späteren Berufsleben von Nutzen sein könnten. Und auch die Tatsache, dass man unter Umständen viel rumkommt, vorerst nur in Württemberg, aber wer weiß was noch kommt.

 

Dominik: Es gibt nichts, was ich noch hinzufügen könnte. Wie Spieler es lieben in einer vollbesetzten, lauten Halle zu spielen, so lieben auch wir es dort zu pfeifen. Das Emotionale macht unseren Sport eben aus.

 

 

Wie kann ein junger Handballer heute Schiedsrichter werden und aus welchen Gründen sollte er dies tun?

Lars: Ich denke nochmal kurz zusammengefasst kann man sagen: Wer Spaß am Handballspiel hat und gerne Verantwortung übernehmen möchte, aber auch damit umzugehen weiß, wenn eine Halle voller Zuschauer lautstark manche seiner Entscheidungen kritisiert, für den könnte der Schiedsrichterjob etwas sein. Man muss aber auch gewillt sein einiges an Zeit dafür aufzubringen. Denn wenn man sich nicht gut vorbereitet haben vielleicht manche Zuschauer bei ihren Protesten zu manchen Entscheidungen nicht ganz Unrecht.

Dominik: Wenn man sich wirklich schon mit dem Gedanken auseinander gesetzt hat, sollte man mit anderen jungen Schiedsrichtern darüber reden. Ich stehe jedem, der diese Ausbildung durchlaufen möchte gerne mit Infos und Tipps zur Seite. Es ist eine tolle Sache, bei der man viel rumkommt,  dazu lernt und erreichen kann, seinem größten Hobby, dem Handball, nachgeht und nebenbei auch noch etwas Taschengeld dazu verdient.

 

Besten Danke Euch beiden und viel Erfolg in der nächsten Saison!