Herren 1: Dennis Saur und Benjamin Krotz im Gespräch

Veröffentlicht am von Ilka Korn.

Noch legen die Handballer des Württembergliga-Teams der SG Bottwartal die Beine hoch, bevor es Ende Juni mit der harten Vorbereitung losgeht. Die Spielertrainer Dennis Saur und Benjamin Krotz fanden aber in ihrem Urlaub Zeit der SG Bottwartal Rede und Antwort zu stehen….

SG Bottwartal: Hallo Dennis, hallo Benny. So nun ist geschafft – die erste Saison als Verantwortliche ist nun rum. Was unterscheidet die Verantwortung als spielende Trainer von der Verantwortung als Führungsspieler. Ist es mehr als die Verantwortung dreimal punktgenaues Training vorzubereiten?

Dennis: Hallo zusammen. Als Erstes vielen Dank an die Mannschaft. Das Team drum herum und die Fans, die unsere erste gemeinsame Saison in der Württembergliga so einzigartig haben sein lassen. Die Verantwortung ist natürlich deutlich größer als noch in den Jahren zuvor. Man muss sich um viele Dinge zusätzlich kümmern, die Spieler in ständigen Gesprächen voran bringen auch außerhalb der Halle. Es ist schon schwierig ein gutes Training vorzubereiten und selbst teilzunehmen, hinzu kommen organisatorische Dinge, Spielbeobachtungen, Auswertungen, etc. Speziellen Dank auch an Günne Rupp, der uns wunderbar mit den Videoanalysen unterstützt hat. Genauso wie Dirk Bellon, der für die Keeper immer eine Auswertung parat gehabt hatte. Sicher habe ich noch diverse Punkte vergessen aber das sind eigentlich die zeitintensivsten Aufgaben.

Benni:Der größte Unterschied ist die zusätzliche zeitliche Belastung für die von Dennis ausgeführten Themen.

SG Bottwartal:Die Akkus der Spieler sind nun ziemlich leergesaugt und die lange Saison hat doch auch kleinere und größere Blessuren hinterlassen. Wie würdet ihr momentan euren eigenen Akkustand einschätzen und den der Mannschaft? Wie wichtig ist nach der anstrengenden Saison nun das Thema Regeneration? Es geistert immer wieder der Begriff „aktive Regeneration“ herum – was meint der Begriff? Sollen die Spieler nun die Füße hochlegen oder sollen sie aktiv sein?

Dennis: Die Akkus sind tatsächlich leer. Der relative dünne Kader und die Verletzungen über die Saison hinweg haben ihre Spuren hinterlassen. Wir hatten natürlich einen vollen Kader aber gerade im Rückraum sind wir eben nur zu 5 gewesen. Da machte es sich klar bemerkbar wenn ein oder zwei Spieler fehlen. Zumal die Rückraumspieler meist auch im Zentrum in der Abwehr gedeckt haben was einer enormen Belastung entspricht. Nachdem jeder seine freie Zeit zum Regenerieren gehabt hat muss aber auch schon vor dem Start der Vorbereitung wieder Gas gegeben werden. Wir starten im ersten Training direkt mit einem Shuttle Run (Leistungstest). Wer also nur die Beine hochlegt wird sicherlich ein Problem bekommen. Dennoch darf erst einmal komplett abgeschalten werden, ob auf Malle oder sonst wo.

Benni: Wichtig sind für mich zwei Komponenten. 1. Den Kopf frei von Handball zu bekommen. 2. Sich körperlich für die nächste Saison (inkl. Vorbereitung) fit zu machen. Ich befinde mich bereits seit einiger Zeit in der zweiten Phase, entsprechend voll sind auch meine Akkus! Den Stand der Mannschaft kann ich dir nach dem ersten Leitungstest sagen!

SG Bottwartall: Nach der Saison ist ja bekanntlich vor der Saison. Der Kader steht und es geht nun in die Planung der kommenden Vorbereitung. Wann startet ihr in die Vorbereitung und wie ist der Ablauf? In der Vergangenheit hat man nach max. 4 Wochen Pause mit der Vorbereitung Anfang Juni begonnen und hat das bis zum Saisonauftakt voll durchgezogen. Ihr habt dazu eine andere Einstellung? Was macht Ihr anders und vor allem warum?

Dennis: Wir beginnen am 29.6 und haben dann eine relative lange erste Phase. Dann haben wir eine kurze Pause und gehen in Phase 2 in die Bausteine Schnelligkeit und werden dann den finalen Block mit den mannschaftstaktischen Dingen abarbeiten. Generell sollte man eigentlich 3 Blöcke je 6 Wochen haben, um die spezifischen Kraft und Ausdauer Einheiten zu trainieren. Diese Zeit hat leider keine Mannschaft, deshalb werden wir die Inhalte komplex vermischen. Viel wird hier aber auch in Eigenregie passieren, da es sonst nicht funktioniert. So hat die Mannschaft zum Beispiel eine App von runtastic zu Verfügung und die Trainer einen Premium Account, wo wir sehen können ob die Einheiten gemacht wurden und ob die Intensität stimmt. Ohne die nötige Eigenverantwortung wird das sicher nicht funktionieren aufgrund mangelnder Zeit. Man muss die Trainingsreize gezielt setzen und auch genug Zeit lassen damit die Spieler regenerieren können.

Benni: Wir können die Vorbereitung leider nicht so durchziehen wir uns das vorgestellt haben. Dies liegt hauptsächlich an der gespielten Relegation und der notwendigen Regenerationszeit der Spieler. Wir haben unseren Plan entsprechend auf die Gegebenheiten angepasst und sind zuversichtlich alle unsere Ziele in der Vorbereitung zu erreichen.

SG Bottwartal: Kommen wir nochmals auf die vergangene Saison zurück. Wie würdet ihr im Nachgang die Saison beschreiben? Was waren die kritischen Phasen, wo waren die absoluten Push-Effekte? Was hättet ihr im Nachhinein anders gemacht? Welche Spieler, wenn man die Vorbereitung und auch die Saison betrachtet haben euch positiv überrascht?

Dennis: Nun ja, ich denke, dass wir sehr gut abgeschlossen haben. Keiner hätte wirklich mit Platz 2 gerechnet auch wenn viele gesagt haben, dass wir das Potential haben. Gerade weil wir Trainer unser erstes Jahr hatten und uns eigentlich ein gelernter Rückraum rechts gefehlt hat. Schwierig war natürlich die Phase ohne Tobse (Deuring) und Damir (Marjanovic). Genau in der Phase hat Tom (Kircher) ein tolles Spiel gemacht und uns 2 Punkte gerettet. Die Verletzung von Manu (Sonnenwald) war auch nicht so einfach zu kompensieren, das haben wir aber gut hin bekommen. Push-Effekte waren sicherlich die Spiele gegen Oberstenfeld vor einer tollen Kulisse aber ganz vorne steht das Spiel in Weinsberg. Wir haben in „Alles oder Nichts Spiel“ (abgesehen von den beiden Relegationsspielen) unsere besten Spiele gezeitigt, das war schon überragend von allen Teilen der Mannschaft. Von daher möchte ich eigentlich keinen hervorheben. Jeder hat seine Rolle im Team gefunden und diese gut ausgefüllt, wobei es natürlich Luft nach oben gibt vor allem was die Konstanz der gezeigten Leistungen betrifft.

Benni: Ich werte die Saison als außerordentlich erfolgreich. Speziell in schwierigen Phasen hat die Mannschaft sich nicht beirren lassen und am Ende einen 2ten Platz als Aufsteiger belegt. Um die Leistung einschätzen kann man sich ja mal die Punkte von unserem Mitaufsteiger anschauen.

SG Bottwartal:In der vergangenen Saison haben wir erstmals einige Spieler der A Jugend an den Kader der WL Mannschaft herangeführt. Wie würdet ihr das Projekt bewerten? Was erwartet Ihr von den jungen Spielern und was ist ein absolutes „no go“? In dieser Saison wollt ihr das Projekt weitervoranbringen. Warum ist es für euch so wichtig, dass ihr auf diese jungen Handballer Einfluss habt?

Dennis: Ja, wir hatten mit Paul, Yannick, Moritz, Falko und Nils einige Jugendliche dabei. Es ist einfacher in jungen Jahren Dinge zu lernen und umzusetzen, deshalb ist es wichtig die Jungs früh an ein höheres Niveau zu gewöhnen. Bisher reicht es noch nicht für die WL aber die Jungs sind jung und willig. Ein absolutes no go ist für mich, wenn die Jungs denken, dass sie schon weiß was erreicht haben. Es darf ihnen nicht reichen, bei uns trainieren zu dürfen, sondern das Ziel sollte sein, einmal in der Mannschaft in der Stamm 7 zu sein. Dafür müssen die Leistungen vor allem in ihren Jugendmannschaften stimmen. Wir stehen immer im Austausch mit dem A-Jugendtrainern und dem Trainer der 2. Mannschaft und da lässt das Engagement von einigen der Jungs wohl etwas zu wünschen übrig. Darüber muss gesprochen werden! Denn klar ist, keine Leitung in der Jungendmannschaft bedeutet kein Einsatz bei dem Herren 1.

Benni: Wir werden wieder mit jungen Spielern in der Saison arbeiten, allerdings werden die Anforderungen an die Jungs im Vergleich zu letzter Saison steigen. Generell sind alle Jungenspieler der SG aufgerufen sich mit guten Leitungen und Engagement zu empfehlen. Dennis und ich freuen uns schon auf Euch!

SG Bottwartall: Mit Rico Reichert vom TSB Horkheim 2 wechselt ein junger Kreisläufer zur SG. Nun haben wir mit Sebastian und Markus schon zwei gestandene Kreisläufer im Kader. Ist die Verpflichtung der Tatsache geschuldet, dass euer Spielkonzept weiter auf den starken Einsatz der Kreisläufer basiert? Kann man behaupten, dass den Kreisläufern eine große Verantwortung in eurem Angriffs- aber auch Abwehrkonzept zukommt?

Dennis: Für mich als Rückraummitte ist der Kreisläufer der wichtigste Mitspieler. Man sagt ja auch gerne, dass die erste Achse, d.h. Torhüter, Rückraum Mitte und Kreisläufer die Spiele entscheidet. Ohne die Wichtigkeit der anderen Positionen zu schmälern. Der Kreisläufer ist in der 2. Welle der entscheidende Faktor, ebenso ist es wichtig auch vorne in Kleingruppen leichte Tore zu machen. Wer mich kennt weiß, dass meine Kreisläufer im Normalfall mindestens 8 Bälle pro Spiel bekommen. Für mich nahezu die wichtigste Position auf dem Feld auch in Bezug auf die Rückraumwerfer, diese frei zu blocken oder zu sperren. Da unsere Kreisläufer im Zentrum decken und wir permanent schnell spielen wollen, ist es gut und wichtig hier noch einen Spieler dazu bekommen zu haben, um wirklich dauerhaft Gas geben zu können.

Benni: Rico und Philipp werden uns beide helfen unser Spiel zu verbessen und erfolgreich zu sein. Wichtig ist aber zuerst die Integration der beiden in unser Team. Hier müssen sich die beiden aber keine Sorgen machen…

SG Bottwartal: Auch wenn es „fischen im Trüben“ ist. Die neue Saison ist mit Sicherheit eine neue große Herausforderung und die Fans der SG haben natürlich auch entsprechende Erwartungen an das Aushängeschild der SG. Wie schätzt Ihr die neue Saison ein, wohl wissend, dass wir noch nicht einmal mit der Vorbereitung begonnen haben?

Dennis: Wir haben die Messlatte natürlich hoch gehängt, selber Schuld :-) und die Konkurrenz hat sich ordentlich verstärkt, deshalb ist es schwer ein genaues Ziel auszugeben. Wir werden das in der Vorbereitung zusammen erarbeiten und dann öffentlich machen.

Benni: Als Trainer habe ich das Ziel die SG Bottwartal in den nächsten beiden Jahren in die BWOL zu führen.

SG Bottwartal: Dennis, was die wenigsten wissen, ist, dass du seit November mit einer sehr schmerzhaften Verletzung im Schultergelenk deines Wurfarmes trainierst und spielst. Normale Würfe und passen war nur mit extrem starken Schmerzen möglich. Du warst daher beinahe täglicher Dauergast bei der medizinischen Abteilung der SG und kennst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Winghofer Medicum und vom TOP Team persönlich. Wie schlimm ist die Verletzung nun nach der Saison und was wird zur Heilung unternommen?

Dennis: Oh ja, das war schon eine schmerzhafte Geschichte. Danke an alle Physios und Doc Hertl für die spitzen Betreuung. Sie Saison wäre sonst früher für mich beendet gewesen. Fakt ist, dass sich beim MRT ein Riss des Labrums feststellen lies. Zum Glück nur ein Einriss der möglicherweise durch Ruhe wieder zusammen wächst. Bisher habe ich keine Schmerzen aber ich trainiere auch nicht mit Ball bisher. Sollte es nicht besser werden droht im schlimmsten Fall eine OP. Wir werden sehen, ein weiteres MRT sollte nicht schaden, um den IST Zustand zu beurteilen.

Saur Krotz
SG Bottwartal: Benni, bei dir ist die Saison nahezu schadlos vorübergegangen? Aber auch du konntest auf Grund von Verletzungen zum Beispiel im Spiel gegen Bittenfeld deine Leistung nicht 100% abrufen oder in Schwaikheim erst gar nicht spielen. Bist du härter im Nehmen als Dennis – grins? Aber mal im Ernst, ist die Möglichkeit zu Regeneration auf Grund des absolut pickepacke vollen Terminkalenders überhaupt noch möglich oder zwingt der Spielplan angeschlagene Spieler dazu, trotzdem zu spielen?

Benni: Klar bin ich härter im Nehmen als Dennis. Diese Saison hatten wir schon sehr viele Spiele und wenig Regenerationszeiten, dies führt in meinem fortgeschrittenen Sportleralter automatisch zu kleineren und mittleren Verletzungen. Dies ist aber normal und gehört ein Stück weit dazu, dennoch wird uns auch hier unser größerer Kader helfen.

SG Bottwartal: Katrin Rödiger und ihr Team war in den letzten Wochen der Saison dreimal die Woche in der Halle und haben die angeschlagenen Spieler behandelt. Welchen Anteil am Erfolg hat das TOP Team? Im Juni steht die Eröffnung der neuen TOP TEAM Räumlichkeiten in Oberstenfeld an, dass macht vieles einfacher. So wie ich euch kenne, wird die gesamte Mannschaft da sein und somit den Dank für die tolle Unterstützung ausdrücken.

Dennis: Obwohl ich schon in höheren Ligen spielt habe ist die Betreuung selten besser gewesen. Katrin und Nicole sind fantastisch aber auch alle in ihrem Team sind super und helfen uns wo es nur geht. Katrin hat sich nicht nur physisch um uns gekümmert sondern auch neue Reize gesetzt was Motivation angeht. Das rechne ich ihr persönlich sehr sehr hoch an. Ohne das TOP Team wäre Platz 2 sicher nicht erreicht worden, das ist Fakt!

Benni: Das TOP-Team hat sich vor allem in der Rückrunde zu einem engen Partner der Mannschaft entwickelt. Dies ist alles andere als selbstverständlich und eine super Sache für uns.

SG Bottwartal: So nun abschließend. Zuerst einmal Danke für das Interview und für die vergangene Saison. Und nun die alles entscheidende Frage? Wie sieht eure AKTIVE Regeneration aus. Urlaub mit relaxen am Strand, fettigen Pommes und Sangria aus Eimern oder eher Urlaub mit sportlicher Aktivitäten, Salatplatte und Diätbier?

Dennis: 2 Wochen Türkei mit meiner Freundin und meinem kleinen Sohn. Viel Essen aber eher keine Pommes, Wasserrutsche mit Oskar, Sandburg bauen, Water Polo und Abend locker kicken am Strand. Danach ein paar Bier und einen gute Nacht Raki und am nächsten Morgen geht´s von vorne los. Sicher werde ich auch schon vieles für die Vorbereitung planen, Edwin hat mir genug Lektüren zu Verfügung gestellt (danke nochmals). Mir wird sicher nicht langweilig. Benni geht soweit ich weiß nach Simbabwe um sich um hilfsbedürftige Tiere zu kümmern?!?

Benni: Nach der Saison kommen bei mir ein paar Tage komplett ohne sportliche Betätigung. Ich fange dann aber früh an mich individuell auf die Vorbereitung der Mannschaft fit zu machen. Entsprechend leistungsfähig werde ich zum Trainingsstart sein.