Damen 1: Das Trainerteam im Gespräch…

Veröffentlicht am von Ilka Korn.

sgbottwartal: Hallo Jörg, Hallo Nico. Habt ihr die umfangreichen Aufstiegsfeierlichkeiten unbeschadet überstanden?

Jörg Bauer: Hallo, ja wir haben den Aufstieg ausgiebig gefeiert. Nahezu alle die dabei waren sind nach meinem Kenntnisstand wieder fit :-) Details zur
Feier bleiben aber Interna. Es gab aber sicherlich schon schlechtere Aufstiegsfeiern.

Nico Löbich: Da kann ich Jörg nur zustimmen. Die Mädels haben es nach einer langen und kräftezehrenden Saison erst einmal richtig krachen lassen
auf der Aufstiegsfeier. Alle haben sich „mega“ gefreut es endlich geschafft zu haben.

sgbottwartal: Das Team hat ja nun schon seit mehreren Jahren die Chance gehabt in die Landesliga aufzusteigen. Könnt Ihr kurz das Projekt Aufstieg seit der Gründung der SG beschreiben. Was waren die Highlights und was waren die Tiefpunkte? Und was waren die Gründe, dass es ausgerechnet in diesem Jahr mit dem direkten Aufstieg geklappt hat?

Jörg Bauer: Seit 4 Jahren spielen wir mit der SG im starken Bezirk-Enz Murr. Das der Aufstieg dieses Jahr geklappt hat liegt meines Erachtens daran, dass alle reifer geworden sind und aus Niederlagen gelernt haben. Zudem haben die Verantwortlichen der SG nie die Ruhe verloren und immer an das junge Team geglaubt! Persönlich ziehe ich mein Hut vor den Spielerinnen die etliche Angebote anderer Vereine ablehnten und an den Erfolg des Teams glaubten. Es ist mit Euer Erfolg!!! Im ersten „SG“ Jahr kämpfte die Mannschaft lange Zeit um den Abstieg. Im darauf folgenden Jahr stießen viele Spielerinnen aus der erfolgreichen Jugendmannschaft zu den Aktiven. Die Mischung aus „jung“ und „jünger“ hätte nahezu den Aufstieg geschafft, nur eine Möglinger Mannschaft gespickt mit ehem. Regionalligaspierlinnen stand uns im Weg. Es folgte ein schwieriges Jahr ohne zu Glänzen. Im Vierten Jahr haben wir es geschafft!!! Mit Höhen und Tiefen ob im Training, Spiele, privater oder zwischenmenschlichen Anliegen könnte ich ein ganzes Buch füllen

Nico Löbich: Also, ich hatte diese Saison von Anfang an einfach ein sehr gutes Gefühl, dass wir das packen könnten. Wir halten seit Jahren an unserem bestehendem Konzept und an unserer Planung für die Zukunft fest. Das war mit ausschlaggeben für diese Runde. Ebenfalls haben die Damen von Beginn an in der Vorbereitung gut mitgezogen und wir waren konditionell immer auf der Höhe. Ich denke mit Höhen und Tiefen können wir beide Spiele gegen Bietigheim gleichsetzen. Das verlorene Hinspiel in Bietigheim brachte bei den Damen erst einmal Ernüchterung, dass es doch nicht so einfach werden würde wie manche am Anfange gedacht hatten. Dafür habe Sie ihre große Chance im Rückspiel genutzt und haben im einem überragenden Spiel den Aufstieg so gut wie klar gemacht. Diese war auch mannschaftlich, das beste was ich diese Runde gesehen habe.

sgbottwartal: Jörg, du bist ja von Anfang an dabei gewesen. Wie haben sich die Highlights und die Tiefpunkte in den Entwicklungen der Spielerinnen ausgewirkt?

Jörg Bauer: Stimmt nicht ganz, im ersten Jahr der SG war ich noch Jugendtrainer :-) Wie schon zuvor gesagt gab es etliche Highlights und Tiefpunkte. Wenn wir zum Beispiel die Relegationsspiele vor 2 Jahren gegen Remshalden betrachten. Im Grunde genommen waren es Highlights und Tiefpunkte zugleich. Wichtig ist, was aus diesen Erlebnissen mitgenommen wird. Es wichtig Tiefpunkte positiv zu verarbeiten. Das hört sich komisch an, ist aber so. Die großartige Entwicklung der Spielerinnen betrachte ich mit zufriedenem Gesicht. Es freut mich zu sehen wie die Mädels in sämtlichen Bereichen dazulernen und sich weiterentwickeln.

sgbottwartal: Seit diesem Jahr bis du Nico an der Seitenlinie mitverantwortlich. Jörg und du, Ihr betont immer, dass Ihr gleichberechtigt seid. Wie lässt sich das in der tagtäglichen Arbeit umsetzen. Was passiert, wenn Ihr unterschiedlicher Meinungen seid? Insbesondere in den stressigen Spielen, da kommt es ja oft auf wenige Sekunden an, die richtigen Entscheidungen zu treffen?

Nico Löbich: Jörg kennt die Mannschaft seit Jahren in- und auswendig. Er weiß genau wo die Stärken und Schwächen des Teams liegen. Deshalb sehe ich Jörg als Trainer bezüglich Gleichberechtigung ein kleines bisschen vorn. Aber maximal 5% ;-) Das gute bei uns zweien ist, dass wir die gleiche Auffassungsgabe, sowie Verständnis von Handball haben, wie es aus unserer Sicht funktionieren soll. Das hilft uns ungemein den anderen in jeder Situation einschätzen zu können, ob es eine richtige Entscheidung ist oder nicht. Meisten kommen wir aber ziemlich zügig auf den gleichen Lösungsansatz um aus unserer Sicht richtig reagieren zu können. Der größte Unterschied zwischen uns zwei ist vielmehr der, dass Jörg eher der akribische von uns zweien ist und versucht sich auf jedes Spiel zu 110% vorzubereiten. Ich aus meiner Sicht lasse es auch gerne einfach einmal auf mich zu kommen und warte die Tagesform der Mannschaften ab. D.h. ich versuche immer mehr zu antizipieren um die richtigen Lösung „in petto“ zu haben, um dann sofort reagieren zu können. Aber meistens sind wir uns dann auch schnell einig, was wir umstellen bzw. verändern wollen. Das Wichtigste aber ist, dass sich der eine auf den anderen verlassen kann, auch wenn einmal einer eine falsche Entscheidung trifft, wird Sie vom anderen mitgetragen. Wir lassen auch meistens ganz kurz die erste Halbzeit Review passieren und sprechen uns ab bevor wir uns dann nach 1-2 Min in die Kabine auf machen.

sgbottwartal: Der moderne Handball der heutigen Zeit ist ja nicht nur fangen, werfen und laufen. Mittlerweile stehen Schlagwörter wir Auftakthandlung, Selbstverantwortung, soziale Kompetenz, Ganzkörperstabilität und ähnliches auf den Spickzetteln für ein erfolgreiches Team. Wird es in der Vorbereitung auch Elemente aus anderen Sportarten geben, die Einzug in euer Training haben werden um die neuen Anforderungen an Körper und Geist abzudecken?

Jörg Bauer: Wir werden viele verschiedene Bausteine in unsere Vorbereitung einfließen lassen. Stimmung – Respekt – Leistung sind Grundsteine für den Erfolg. Im Bereich Stabilität arbeiten wir mit Pezzibällen. Mit Nico kamen neue Impulse in Sachen Konzentration, Glaube und Wille. Keine Spielerin wird alleine ein Handballspiel gewinnen nur wenn Sie ein Ball stärker in Richtung Tor werfen kann als eine Mitspielerin. Mir ist es vor allem wichtig das die Spielerinnen erkennen, dass es nur gemeinsam geht. Egal wer, wann, wie lange auf dem Feld steht. Der moderne Handball verlangt mehr von uns allen.

Nico Löbich: Wir haben auch schon letzte Saison versucht auf „mentaler Ebene“ uns zu verbessern. Aber nur in abgespeckter Version. Für kommende Runde haben wir uns vorgenommen, noch mehr den mentalen Aspekt in die Vorbereitung mit ein fließen zu lassen. Auf jeden Fall versuchen wir verschiedene Elemente unterzubringen um das Training auch interessanter zu machen. Auch der Handballsport in den unteren Klassen hat sich gewandelt. Es wird viel mehr professioneller im Amateurbereich gearbeitet als es früher einmal war. Das sieht man allein schon am Wandel der beiden Vereine Beilstein und Gronau zu einer SG Bottwartal. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir den Damen auch etwas bieten. D.h. wen Sie eine Struktur auf mittel- und langfristiger Basis erkennen können. Ich denke diese haben wir nun auch mit dem Aufstieg in die Landesliga geschaffen. Wir haben uns auch im Vorfeld gezielt auf nächste Runde auf manchen Positionen verstärkt. Mit Sara, Kadda und Laura haben wir drei Spielerinnen hinzubekommen die optimal ins junge Mannschaftsbild hinein passen. Man merkt dies auch schon im Training. Sie sind jetzt schon voll integriert als gehörten Sie schon immer zu diesem Team. Das freut uns natürlich, dass wir sehen können wir haben zum momentanen Zeitpunkt alles richtig gemacht. Ebenfalls werden wir auch dieses Jahr versuchen, verschiedene jüngere Spielerinnen aus der wA und der Damen 2 in die Mannschaft zu integrieren. Ich denke mit diesem Konzept werden wir uns auch in naher Zukunft in der Landesliga etablieren.

sgbottwartal: Schon während der vergangenen Saison ist es euch und den Verantwortlichen der SG gelungen den Kader der Damen mit neuen gestandenen Spielerinnen zu verstärken. Trotzdem haben die jungen Eigengewächse einen hohen Stellenwert in euren Planungen. Es versteht sich von selbst, dass die eigenen Talente der B- und A Jugend mit Bedacht und über einen längeren Zeitraum an die Damen 1 herangeführt werden müssen. Was erwartet Ihr von den gestandenen Spielerinnen im Verhältnis zu den Nachwuchstalenten und umgekehrt was erwartet Ihr von den „jungen“ Wilden?

Jörg Bauer: Von den „jungen“ Spielerinnen erhoffen wir den Ehrgeiz und Wille sich bei den Damen 1 zu zeigen. Bei den gestandenen Spielerinnen steht vor allem Verantwortung und Weiterentwicklung an erster Stelle. Wir haben mit Timo Peter einen super Trainer im weiblichen A-Jugend Bereich mit dem wir im regen Kontakt stehen. Ich hoffe wir können hier dieses Jahr einen Schritt nach vorne machen. Mit unseren Neuzugängen sind wir sehr glücklich und zufrieden. Ehrlich gesagt denke ich in manchen Situation die Mädels sind schon ewig bei uns dabei.

Nico Löbich: wie bereits schon erwähnt, haben wir ein sehr junges Team zusammen. Aber nichtsdestotrotz erwarten wir von allen Spielerinnen, dass sie auf dem Feld und abseits davon, Verantwortung und eine Vorbildfunktion übernehmen. Auch die jüngeren Jugendlichen, wie wD, wC und wB sollen sich ein Beispiel nehmen können und die aktiven Spielerinnen auch etwas als Vorbild in Betracht zu ziehen. („Die sind schon dort, wo wir einmal hin
wollen“). Von den wA bzw. von den Spielerinnen, die dieses Jahr aktiv geworden sind, erwarte ich das sie versuchen die älteren unter Druck zu setzen. D.h. für mich, dass die wA bei Möglichkeit ebenfalls zu den Damen im Training erscheinen sollten. Da können sie nur lernen und daraus profitieren. Für die jüngeren beginnt ebenfalls auch ein Lernprozess. Mir fehlt bei vielen noch etwas der Ehrgeiz sich aufdrängen zu wollen. Entscheiden ist aber auch, dass sie lernen müssen abzuwarten auch wenn sie einmal in einem Spiel nicht berücksichtigt wurden. Viele geben einfach zu schnell auf. Die Zeit wird kommen und sie bekommen ihre Chance. Nur die richtige Mischung aus jung und älteren Spielerinnen entscheidet über den Erfolg eines Teams.

sgbottwartal: So wie ich euch kenne, habt ihr euren Vorbereitungsplan schon fertig und könnt uns einen kleinen Einblick geben? Ab wann beginnt die Vorbereitung für die Damen? Gibt es besondere Trainingseinheiten? Gibt es schon Termine für die ersten Trainingsspiele? Ich denke es wird einige Neugierige geben, die voll Spannung auf den ersten Auftritt der Damen sind.

Jörg Bauer: Wir haben schon am 03. Juni mit der Vorbereitung begonnen. In den ersten 3 Wochen haben wir den Grundstein im Bereich Kondition gelegt. Mit einem abschließenden Duathlon über 18 km haben wir diese Phase abgeschlossen. Das erste Trainingsspiel haben wir auch schon hinter uns.
Denke wir haben dieses Jahr eine homogene Truppe die auch sportlich viel erreichen kann. Am 30. August findet ein Vorbereitungsturnier mit 6 Mannschaften unter dem Langhans statt.

Nico Löbich: Wir haben uns auch in diesem Jahr wieder entschieden, in einer frühen Phase mit der Vorbereitung zu beginnen. Wir werden dann zwischen drin einmal 1 oder 2 Wochen pausieren. Das ergibt sich dann so oder so automatisch. Auch dieses Jahr haben wir versucht die Vorbereitung so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Wir werden auch ein paar Trainingsspiele gegen höherklassige Gegner absolvieren, die uns als Gradmesser für die kommende Runde dienen soll.

sgbottwartal: Bevor wir zum Ende des Interviews kommen interessiert uns natürlich, wo Ihr euch für die Vorbereitung „vorbereiten“ werdet. Habt Ihr noch Urlaubspläne oder habt Ihr euch schon erholt?

Jörg Bauer: Ich werde nochmal mit Freundin und Freunden nach Südtirol gehen. Ende letzten Monat war ich schon mit ein paar Spielern unserer Herren
1 + 2 auf Mallorca. Habe gehört der Strand dort muss schön sein :-) Ernsthaft war schön mit den Jungs, aber Erholung sieht anders aus.

Nico Löbich: Ich habe bereits die spielfreie Zeit genutzt und habe meinen Urlaub in Spanien verbracht. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf nächste Runde und bin froh, dass es schon wieder los geht.

sgbottwartal: So, nun wünsche ich euch und euren Damen eine perfekte Vorbereitung ohne Verletzungen und Ausfälle. Denn damit könnt ihr einen wichtigen Grundstein für die Saison legen.

Das Gespräch führte Andreas Gramsch…..

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