Neue Reihe: Aus der Sicht des Schiedsrichters

Veröffentlicht am von Ilka Korn.

Unter dieser Rubrik wird zur nächsten Saison eine neue Berichtreihe gestartet, um einen Einblick in die Arbeit des Schiedsrichters und in seine Entscheidungsfindung zu bekommen. Eine Verallgemeinerung auf alle Schiedsrichter kann an dieser Stelle nicht stattfinden, da aus der Sicht unseres Unparteiischen Dominik Salles geschrieben wird, doch soll eine Tendenz aufgezeigt werden. Schiedsrichter bleiben in Berichten der Mannschaften generell unerwähnt und wenn sie doch vorkommen, wird meist negativ berichtet. Zu ihren Spielen kommen keine Fans, Artikel darüber werden nicht geschrieben. Ihr Job ist undankbar: Schießt ein Spieler 5 Mal daneben, ist das nicht erwähnenswert, liegt ein Schiedsrichter 5 Mal mit seinen Entscheidungen daneben, werden sie als „fragwürdig“ abgestempelt. Lob bekommen sie meist nur von Beobachtern oder vom Gespannpartner nach dem Spiel.

Viele verkennen die Selbstkritik, die Schiedsrichter genauso wie Spieler an den Tag legen. An einem schlechten Tag ärgert man sich nach dem Spiel, Entscheidungen werden analysiert und bewertet, um das nächste Mal nicht die gleichen Fehler zu machen. Ein Problem liegt jedoch in der Berichterstattung und der Befangenheit der Spieler, Trainer und Zuschauer. Im digitalen Zeitalter, bleiben Berichte dauerhaft im Netz und können so schon vor dem Anpfiff den ersten Eindruck beeinflussen. Schiedsrichter versuchen jedoch jedes Wochenende ihre Linie dem Spiel anzupassen und vorherige Spiele komplett auszublenden. Ein schlechtes Spiel bleibt den Anwesenden aber meist länger im Gedächtnis, sodass der betroffene Schiedsrichter bei jedem weiteren Spiel der betroffenen Mannschaft mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Im Jugendbereich und in höheren Ligen ist das Verhältnis zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern besser – auch wenn sie sich mal in die Haare kriegen und mit Entscheidungen nicht einverstanden sind, haben sie dennoch einen höheren Respekt füreinander.

Letztes Wochenende waren Lars und Dominik Salles bei der ersten Qualifikationsrunde der weiblichen A-Jugend in Waiblingen-Neustadt im Einsatz. Die Nachwuchsspielerinnen der 4 anwesenden Teams zeigten sich von ihrer besten Seite, sodass die lautstark anfeuernden Zuschauer begeisternde Handballspiele zu sehen bekamen, wobei jedes Team 3x 40 min spielen musste. Wie für die Spielerinnen sind solche Spielzeiten auch für die Schiedsrichter sehr anstrengend, die nach 110 min Handball immer noch hochkonzentriert bleiben müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie in Jugendspielen deutlicher auf Schrittevergehen, Kreisverstöße und verletzungsgefährdende Aktionen achten müssen als bei Erwachsenen. Die Spielerinnen waren körperlich auf sehr unterschiedlichem Niveau und konnten manchmal ihre Kraft nicht richtig einschätzen, sodass es immer wieder zu ungewollten unsportlichen Aktionen kam. Nichtsdestotrotz waren die Spielerinnen sehr fair, entschuldigten sich meist bei der betroffenen Gegnerin für ihr Vergehen und folgten konsequent den Ansagen der Schiedsrichter. Damit sind sie vielen aktiven Spielern Voraus. Bei Jugendspielen bringen eher die Eltern eine hitzige Komponente mit ins Spiel. In unserem Fall folgte das auf einen Gesichtstreffer beim Versuch, den Ball rauszuspielen. Ob absichtlich oder unabsichtlich, musste dies zum Schutz der Spielerinnen mit einer 2 min Zeitstrafe geahndet werden. Da aber von den Eltern Schreie kamen, in der Form von „da war doch nichts“, „sie hat sich reingedreht“, glaubte die Spielerin nichts falsch gemacht zu haben. Sie glaubte den Eltern und stellte somit den Schiedsrichter in Frage. Im aktiven Bereich führt dies oft zu vermehrtem Meckern nach dem Vergehen. Der Trainer hingegen akzeptierte die Entscheidung und hat sich positiverweise zu keinem Zeitpunkt beschwert.

Also: Feuern sie als Elternteil die Kinder ruhig sportlich an und holen sie so alles aus ihnen raus, Ihre Kinder werden es Ihnen danken. Gehen Sie aber auch als gutes Beispiel voran und respektieren sie die Entscheidungen der Schiedsrichter. Wenn sie glauben besser pfeifen zu können, so freue ich mich über weitere Mitglieder in unserem Schiedsrichterteam der SG Schozach-Bottwartal, das dieses Jahr um 5 weitere Personen wachsen wird, aber dazu mehr im nächsten Bericht.

In diesem Sinne wünsche ich allen Handballern und Zuschauern ein schönes Wochenende und bedanke mich beim guten Gastgeber und den weiblichen A-Jugend Mannschaften der JSG Hohenacker-Neustadt, TV Nellingen, TG Biberach und JSG Neckar-Kocher für die angenehme Atmosphäre.

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