Gute Schlussviertelstunde ist viel zu wenig

Veröffentlicht am von Andreas Gramsch.

Von Lars Laucke Marbacher Zeitung

Die Rückrunde hat für den Handball-Württembergligisten SG Schozach-Bottwartal so begonnnen, wie die Hinrunde geendet hatte: mit einer Niederlage und einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung. Beim 30:33 (12:15) gegen die Neckarsulmer Sport-Union konnten Mannschaft und Fans der Gastgeber nur in der letzten Viertelstunde mit der Vorstellung zufrieden sein. Der Endspurt kam nach einem zwischenzeitlichen Neun-Tore-Rückstand aber zu spät.

Die Bottwartäler agierten in der kompletten ersten Halbzeit ohne sichtbaren Kampf und Leidenschaft. „In der Abwehr hatten wir große Defizite. Vor allem im Mittelblock fehlte mir die Grundaggressivität. Wir sind da nicht bereit gewesen, über eine gewisse Grenze zu gehen und die nötigen Meter zu machen. Wenn ich auf neun Meter einen Zweikampf verliere, dann kann das noch ein Nebenmann ausbügeln. Auf sieben Meter ist da nichts mehr zu machen“, monierte SG-Coach Tobias Klisch. Dies führte dazu, dass von den 15 Gegentoren in den ersten 30 Minuten allein zehn daraus resultierten, dass die Neckarsulmer zum Kreis durchkamen.

Im Angriff der SG Schozach-Bottwartal fehlte es hingegen an Tempo, und es bewahrheitete sich erneut, was Tobias Klisch bereits nach der Niederlage bei der SG BBM Bietigheim II kurz vor Weihnachten gesagt hatte: „Wir sind zu sehr von der Leistung von Dennis Saur abhängig.“ Zwar kam diesmal noch ein starker Sven Kroll hinzu, der ab Mitte der ersten Hälfte in die Partie kam und eine sehr starke Leistung bot. Doch das allein war einfach zu wenig. Durch die Verletzung von Philipp Kroll fehlte die Torgefahr aus dem rechten Rückraum. „Lukas Volz hat hier seine Chance nicht genutzt“, stellte Klisch fest. Und Tobias Deuring im linken Rückraum erwischte alles andere als einen Glanztag. So kamen die zwölf SG-Tore der ersten Hälfte meist durch Einzelaktionen von Dennis Saur und Sven Kroll oder durch Kreisanspiele zustande. Die Außen blieben wirkungslos. „Wir haben mit Markus Rossmeier und Christian Zluhan die in meinen Augen besten Außen der Liga. Aber in der ersten Halbzeit haben wir die nur ein einziges Mal in Wurfposition gebracht“, ärgerte sich Klisch. Diese Chance nutzte Rossmeier, im gesamten Spiel hatten Zluhan und er von den Außenpositionen keinen Fehlwurf.

An der Vorentscheidung der Partie war aber auch Tobias Klisch selbst maßgeblich beteiligt. In der 41. Minute parierteSG-Keeper Benjamin Krotz in Unterzahl einen Wurf von Neckarsulms Andreas Maier. Der Abpraller berührte den am Boden liegenden Schützen am Fuß und ging dann ins Seitenaus. Doch der direkt daneben stehende Schiedsrichter entschied auf Einwurf für Neckarsulm. Klischs lautstarken Protest quittierte der Unparteiische direkt mit einer Zeitstrafe gegen den Trainer. Andreas Maier sagte nach dem Spiel, dass er eingeräumt habe, „dass ich den Ball wohl mit dem Fuß berührt habe“. Klisch forderte den Schiedsrichter daraufhin auf, den Spieler doch selbst zu befragen – und kassierte die Rote Karte. „Da hätte ich den Mund halten müssen“, räumte der Coach ein. Zumal der betreffende Schiedsrichter ohnehin den zweifelhaften Ruf genießt, sich selbst gerne in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken. Die nachfolgende Unterzahlsituation wollte die SG dann durch die Herausnahme des Torhüters kompensieren. Doch das ging nach hinten los. Insgesamt viermal trafen die Neckarsulmer nach zum Teil haarsträubenden Ballverlusten ins leere Tor. Erst nach dem 21:30 zwölf Minuten vor Schluss spielten die Bottwartäler mit der Leidenschaft, die es von Beginn an gebraucht hätte, und kamen nochmal auf Tuchfühlung. Doch für eine Wende reichte die Zeit nicht mehr.

„Mit der Moral der letzten Viertelstunde bin ich zufrieden. Warum diese Einstellung aber vorher fehlt, ist für mich unerklärlich“, sagte Klisch. In den kommenden Wochen stehen die Planungen für die nächste Spielzeit an. Einen über das Saisonende hinaus laufenden Vertrag haben lediglich Dennis Saur, Daniel Zieker und Jonas Heilmann. Vom Rest haben sich am Samstagabend nur wenige für eine Fortführung des Engagements empfohlen.

SG Schozach-Bottwartal:

Krotz, Rizk – Zieker (5), Schmitz (1), Volz (1), Schmid, Rossmeier (4), Schilpp, Saur (4), S. Kroll (7), Schick, Zluhan (7/2), Deuring (1)