Damen 1: Erst in der letzten Viertelstunde ist ein Klassenunterschied zu sehen

Veröffentlicht am von Ilka Korn.

Von Lars Laucke- Etwa die Hälfte der Vorbereitungszeit zwischen der Weihnachtspause und dem ersten Punktspiel im neuen Jahr haben die BWOL-Handballerinnen der SG Schozach-Bottwartal hinter sich. Quasi auf halbem Weg kam da das Testspiel gegen Zweitligist TG Nürtingen am Donnerstagabend gerade recht, um wieder „in den Wettkampfmodus zu schalten“, wie Trainer Michael Stettner es im Vorfeld formuliert hatte. Insgesamt konnte der Coach mit der Leistung seiner Schützlingen dann auch sehr zufrieden sein, obwohl die Niederlage am Ende mit 21:31 (11:11) doch recht deutlich ausfiel.

„Das Ergebnis war heute nebensächlich. Viel wichtiger war, dass wir bis zur 45. Minute gegen einen Zweitligisten gleichauf waren. Die Abwehr war sehr gut, und auch im Angriff haben wir bis Mitte der zweiten Hälfte stark gespielt“, so Stettner. Tatsächlich musste man sich in der Anfangsphase ein wenig die Augen reiben, lag die SG doch nach wenigen Minuten mit 4:0 in Führung. Das konnte dann auch noch nicht daran gelegen haben, dass die Gäste nur mit sieben Feldspielerinnen angereist waren. „Ein paar haben zu Beginn recht bocklos gespielt“, monierte TGN-Coach Stefan Eidt viel mehr. „Und viel mehr gibt unser Kader gar nicht her. Wir sind mit elf Feldspielerinnen in die Saison gestartet, zwei sind langfristig verletzt, eine noch angeschlagen und eine musste länger arbeiten“, erklärte er die dünn besetzte Bank.

Doch mit zunehmender Spieldauer wurde der Zweitligist dann besser. Die Nürtingerinnen befinden sich ja voll im Wettkampfrhythmus, da die beiden Bundesligen bei den Frauen keine Pause wegen der Männer-WM haben. Für Eidt war es deshalb eine kleine Zwickmühle, ob er dieses Testspiel wahrnehmen wolle. „Wir hatten das ja ursprünglich vor Saisonbeginn geplant. Da hatte ich aber tatsächlich keine Mannschaft und musste absagen. Ich habe auch diesmal hin und her überlegt.“ Andererseits hatte dieses Spiel vielleicht sogar einen besseren Trainingseffekt für sein Team als eine normale Einheit mit solch dünner Besetzung. „Die Mädels haben irgendwann auch keine Lust mehr auf Kleingruppen-Training“, so Eidt.

Bis zur Pause hatte Nürtingen auf 11:11 ausgeglichen, auch nach 45 Minuten stand es noch unentschieden – dann machten die Gäste aus einem 18:18 ein 26:18. Reihenweise kassierten die SG-Frauen nun Kontertore. „Das Problem war nicht einmal die Abwehr. Aus dem Positionsangriff hat Nürtingen auch in der zweiten Halbzeit wenig Tore erzielt. Aber wir haben in der Schlussphase vorne einfach sehr viele Fehler gemacht. Und das bestraft eine so gute Mannschaft eben gnadenlos. Von den 20 Gegentoren in der zweiten Hälfte waren ja mindestens die Hälfte Tempogegenstöße“, analysierte Michael Stettner die Partie.

Dass seine Mannschaft in der letzten Viertelstunde eines Spiels plötzlich einbricht, das hat er in dieser Saison bereits mehrfach erlebt. Bei drei der bisher vier Niederlagen gab die SG Spiele, die sie eigentlich sicher im Griff hatten, wieder aus der Hand. „Daran müssen wir arbeiten.“ Und zwei weitere Punkte waren gegen Nürtingen auffällig: Während die Gäste reihenweise Kontertore erzielten, gelang der SG nicht ein einziger. „Unsere Außen laufen einfach zu spät los. Man muss starten, wenn der Gegner wirft, nicht erst wenn man sieht, dass der Ball nicht reingeht. Diese paar Meter fehlen dann.“ Das andere Manko gegenüber dem Zweitligisten: Es fehlte die Wucht aus dem Rückraum. Stettner hatte kürzlich schon gesagt, dass es zu wenig Spielerinnen in seinem Team gebe, die für „einfache Tore aus neun Metern“ gut wären. Am Donnerstagabend wurde dies deutlich, lediglich Alisa Berger zeichnete sich hier mehrfach aus. Dieser Punkt soll zur nächsten Saison mit entsprechenden Neuzugängen behoben werden. In dieser Runde muss Stettner aber noch mit dem aktuellen Kader um den Aufstieg in die 3. Liga kämpfen. Wobei das natürlich das berühmte Jammern auf hohem Niveau ist. Denn die SG-Frauen zeigten am Donnerstagabend immerhin 45 Minuten lang, dass auch in dieser Besetzung sehr viel Qualität in der Mannschaft steckt.